Ein exzellenter Mediziner, engagierter Mitstreiter und guter Freund ist von uns gegangen: Zum Tod von Dr. med. Martin Bachmann

Am 20. März 2024 ist Dr. med. Martin Bachmann nach einer schweren Erkrankung gestorben. Er wurde nur 61 Jahre alt. Der Chefarzt der Klinik für Intensiv- und Beatmungsmedizin im Asklepios Klinikum Harburg, dessen spezielle klinischen und wissenschaftlichen Interessen in den Bereichen Beatmung bei neuromuskulären Erkrankungen, besondere Beatmungsverfahren z.B. NAVA sowie Sekretmanagement in der Beatmungsmedizin lagen, war, wie die Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP) in ihrem Nachruf schreibt, „einer der Pioniere auf dem Gebiet der Beatmungsmedizin.“ Er war nicht nur Mitglied in der DGP, sondern auch in der Deutschen Gesellschaft für Internistische Intensivmedizin und Notfallmedizin (DGIIN), der Deutschen Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin (DGSM) und in der Deutschen Interdisziplinären Gesellschaft für Außerklinische Beatmung (DIGAB). Er hatte schon der Arbeitsgemeinschaft für Respiratorentwöhnung und Heimbeatmung (AGH) angehört, aus der die DIGAB schließlich hervorgegangen war. Durch sein Wirken trug Martin Bachmann zu dem hohen Ansehen der multiprofessionellen Fachgesellschaft bei. Er förderte dort nicht nur den Austausch zwischen den verschiedenen Berufsgruppen auf Augenhöhe, sondern das wertschätzende Miteinander von Menschen mit und ohne Beatmung. Diese und deren bestmögliche Versorgung standen für ihn im Mittelpunkt seines Schaffens.

 

(v.li.n.re.) Dinah Radtke (Sprecherin der Sektion „Selbstbestimmt leben mit Beatmung“, Meike Grimm (damalige Schatzmeisterin), Hans-Joachim Wöbbeking (damaliger ständiger Beauftragter für die Menschen mit Beatmung in der DIGAB e.V.) und Dr. med. Martin Bachmann beim 27. Jahreskongress der DIGAB e.V. zusammen mit dem 14. Beatmungssymposium der DGP e.V. vom 23.-25.5.2019 in Kassel. (Foto: Intercongress)

 

Während Martin Bachmanns Amtszeit war Hans-Joachim Wöbbeking der ständige Beauftragte für die Menschen mit Beatmung in der DIGAB e.V. Dessen Nachfolgerin, Maria-Cristina Hallwachs fasst, stellvertretend für die DIGAB-Mitglieder mit Beatmung zusammen, wie wichtig Martin Bachmann für deren Belange war: „Ohne Dr. Martin Bachmann persönlich zu kennen, hatte ich vom ersten Moment an großen Respekt vor ihm! Mein Einstieg in die Mitarbeit im Vorstand als ständige Vertreterin der Menschen mit Beatmung war geprägt von seinem ‚Fehlen‘! Ich hörte immer wieder und von allen Seiten, wie er die ärztliche und medizinische Seite der Arbeit mit und für Menschen mit Beatmung souverän und mit viel Fachwissen bespielt hatte. Ich hörte, dass er die Arbeit der DIGAB maßgeblich vorangebracht hatte und ich hörte und spürte vor allem, wie sehr er auch als Mensch allen fehlte. Bis zum Schluss hatte ich die Hoffnung, ihn endlich kennen lernen zu dürfen, nun ist er zu früh gegangen.“

Beim 21. Jahreskongress der Deutschen Interdisziplinären Gesellschaft für Außerklinische Beatmung (DIGAB) e.V. zusammen mit dem 8. Beatmungssymposium unter der Schirmherrschaft der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin e.V. vom 6. bis 8. Juni 2013 im Congress Center Hamburg war er gemeinsam mit Dr. med. Bernd Schucher Kongresspräsident. Bei allen weiteren Jahrestagungen der DIGAB e.V. war Martin Bachmann immer gefragter Referent und Ansprechpartner. Im Jahr 2019 wählten ihn die DIGAB-Mitglieder für zwei Jahre zu ihrem Präsidenten.

 

(Foto: Intercongress)

Rückblickend bedauerte er es sehr, dass seine Amtszeit von der Corona-Pandemie überschattet wurde, durch die die ehrenamtliche Arbeit deutlich erschwert gewesen sei und zwei DIGAB-Jahrestagungen ausfallen mussten. Trotzdem traf sich der Vorstand regelmäßig virtuell, und so „konnte die DIGAB viel bewegen.“ Dr. Bachmann gab viele Anstöße, z.B. zu einem bundesweiten Register „Außerklinische Intensivpflege“, um die außerklinische Intensivversorgung trotz der Pandemie zu sichern, zu wissenschaftlichen Studien und Projekten, zu Leitlinien und zur Revision der S2k-Leitlinie „Nichtinvasive und invasive Beatmung als Therapie der chronischen respiratorischen Insuffizienz“, zur Weiterentwicklung der Fort- und Weiterbildungen, zur Einführung eines neuen Curriculums für Fachtherapeut*innen in der außerklinischen Intensivversorgung sowie zum „Reha- und Intensivpflege-Stärkungsgesetz – RISG“ vom 14.08.2019, dem späteren Intensivpflege- und Rehabilitationsstärkungsgesetz (GKV-IPReG).

Seine Ausführungen bei der virtuellen Mitgliederversammlung am 25. November 2021, bei der er den Staffelstab an Dr. med. Bernd Schucher weiterreichte, beendete er mit dem Satz: „Eine starke DIGAB ist wichtig, um als Lobby dieser sehr vulnerablen Patientengruppe agieren und deren Therapie auf fachlich-qualitativ hochwertigem Niveau halten zu können.“ Damit benannte er auch das Ziel der DIGAB e.V. für die Zukunft.

Christoph Jaschke, DIGAB-Präsident: „Mit Dr. Bachmann verlieren wir nicht nur einen der bedeutendsten Beatmungsmediziner, sondern einen engagierten Mitstreiter für die Menschen mit Beatmung. Er war ein ungemein liebenswerter und freundlicher Mensch, der seine Patient*innen mit großer Fachkenntnis, Sorgfalt und Empathie versorgte. Und wir verlieren einen Freund mit einem ansteckenden Humor und einer großen Begeisterung für Musik, Sport und Geselligkeit.“

Dr. med. Martin Groß, Präsident-elect: „Martin Bachmann war eine fachlich herausragende Persönlichkeit. Als er mir einmal berichtete, dass er sowohl die ECMO als auch das Anfertigen von Individualbeatmungsmasken selber durchführte, verstand ich, dass er die lebenslange Fürsorge für Beatmungspatienten – von der Akut- bis hin zur Langzeitversorgung – wie kaum ein anderer lebte.“

Wie angesehen Martin Bachmann auch international war, zeigt diese Aussage von John R. Bach MD, Professor of Neurology, Professor of Physical Medicine and Rehabilitation, Rutgers University, USA: Humane, noninvasive means of ventilatory support have been available alternatives to tracheostomy ventilation for people with ventilatory pump failure too weak to breathe since 1953. Some of our patients with 0 ml of vital capacity have been using these instead of tracheostomy tubes for over 65 years since coming out of Iron Lungs. However, few physicians in the United States, or in most other countries, have taken the time or made the effort to learn them. Dr. Martin Bachmann is one of only a handful of such physicians, of whom I am aware, in all of Germany who has, despite the absence of any financial incentives to do so. Indeed, all financial incentives in the United States are to quickly tracheotomize them, and dispense with them for others to manage the subsequent morbidity and mortality caused by the tubes. The conventional management paradigm is to tracheostomize people too weak to breathe, especially when intubated for acute on chronic ventilatory failure. Martin has known this to not be true and advocated for humane management since we met over 30 years ago. He will be sorely missed by many, including myself.”

Die DIGAB wird das Andenken an Martin Bachmann mit hoher Wertschätzung und Dankbarkeit bewahren. Seiner Familie bekundet sie ihr tiefes Mitgefühl.

 

Freiburg, 28. März 2024

 

Der Nachruf zum Download hier.

Ein exzellenter Mediziner, engagierter Mitstreiter und guter Freund ist von uns gegangen: Zum Tod von Dr. med. Martin Bachmann